Vortrag: Das Kanaltal einst und jetzt

Am Donnerstag, dem 10. September 2015, fand um 19.00 Uhr in unserem Chorheim ein Stammtisch statt, in dessen Rahmen auch ein höchst interessanter Vortrag mit dem Titel „Das Kanaltal – einst und jetzt“ in kleiner und gemütlicher Runde präsentiert wurde. Votragende war Laura Goldemund, die selbst aus dem Kanaltal stammt und in Malborgeth aufgewachsen ist.

Unsere Laura – nicht nur eine begeisterte Sängerin des Singkreises in der Stimmlage Alt sondern auch Vorstandsmitglied des Singkreises und der „Kärntner in Graz“ – hat uns in ähnlichem Kreise schon in der Vergangenheit immer sehr gefühlsbetont historische und persönliche Berichte aus ihrer Heimat dargebracht. So war es nun wohl allerhöchste Zeit, diese Erlebnisse aus ihrer Heimat Kanaltal einem weiteren Personenkreis näher zu bringen. Das Ergebnis war eine mit vielen Bildern ausgeschmückte Geschichte, die vor allem auch durch die schwärmerische Art der Darbietung zu begeistern vermochte. Nicht zuletzt waren die Aufnahmen der Lieder, die Teil dieser Präsentation waren, ein Zeugnis der kulturellen Vielfältigkeit dieser Region. Gesungen wurde Deutsch, Italienisch, Slowenisch und Friulanisch.

Nach einem kurzen geographischen Überblick begann die Reise durch das Kanaltal bei den Weißenfelser Seen, heute Fusine laghi, am äußerst östlichen Ende des im nördlichen Friaul gelegenen Tales, das bis zum Jahre 1919 Teil Österreichs war. Das Kanaltal wurde 973 erstmalig erwähnt, und seit der Erhebung Kärntens zum Herzogtum durch Kaiser Otto II. und der Eingliederung der Marken Verona, Friaul, Istrien und Krain im Jahr 976 war eben dieses Kanaltal für fast 950 Jahre Teil unseres Heimatlandes. Der Weg führte uns also vom Osten des Tales beginnend, welches an dieser Stelle die Karnischen von den Julischen Alpen und den Karawanken trennt, über den Bergbauort Raibl nach Tarvis, dem heutigen Zentrum dieser Region, den Luschariberg streifend und durch die Ortschaften Saifnitz, Wolfsbach, Uggowitz nach Malborgeth, den Heimatort unserer Sängerin.

Endstation war Pontafel, die ehemalige Grenze zu Italien bis 1919. Hier endet das Kanaltal und geht über in das Fella- bzw. Eisental (ital. Canal del Ferro). Die bewegte Geschichte eines Teiles von Kärnten endet mit den Verträgen von St. Germain. Das Kanaltal wird Italien zugesprochen. In Weißenfels leben zu diesem Zeitpunkt mehr als 79% deutschsprachige Kärntner, gut 20% Slowenen. Gerade einmal 0,1% der Bevölkerung hatten Italienisch als Umgangssprache angegeben. 1939 wurden rund 70% der deutsch- und slowenischsprachigen Kanaltaler nach Kärnten umgesiedelt. Wie auch in Südtirol wurde hier durch Italien ein Zuzug aus Süditalien forciert. Das heutige Kanaltal ist viersprachig, knapp 20% der Bevölkerung sprechen noch Deutsch.

Unter den Teilnehmern waren neben aktiven und ehemaligen Sängern von Chor und Singkreis Ehrenobmann Claus Repnik, der die Begrüßung vornahm, die Ehrenobfrau des Singkreises Sissy Repnik, der Obmann des Singkreises und Obmannstellvertreter der „Kärntner in Graz“ Erwin Piskernik, der an diesem Abend für den einwandfreien technischen Ablauf sorgte, sowie der langjährige Obmann des Chores der Kärntner Wolfgang Glowatschnig. Für die großartige Verpflegung gilt der Dank Ulrike Kreinig, Sängerin des Singkreises.

Liebe Laura, herzlichen Dank für Deinen ergreifenden Vortrag! Du hast uns damit wieder vermittelt, wie wichtig Heimat für den Menschen ist, wozu sie uns bewegen kann und welche Geborgenheit sie uns gibt. Das Kanaltal ist ein ganz besonderes Beispiel dafür.

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